Das Motiv der Kästchenwahl by Sigmund Freud

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By John White Posted on Jan 3, 2026
In Category - Aviation
Freud, Sigmund, 1856-1939 Freud, Sigmund, 1856-1939
German
Ever wondered why some stories stick with us for centuries? Freud takes on Shakespeare's 'The Merchant of Venice' and asks a wild question: What if Portia's three caskets aren't just a plot device, but a window into our deepest human fears? Forget dry literary analysis—this is a detective story about the human mind. Freud connects a simple fairy-tale choice (gold, silver, lead) to the biggest, most universal themes we all face: love, death, and fate. It’s short, it’s provocative, and it might just change how you see every story you've ever loved.
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bevorzugte Metall anpries, während er die beiden anderen herabsetzte. Die schwerste Aufgabe war dabei dem glücklichen dritten Freier zugefallen; was er zur Verherrlichung des Bleis gegen Gold und Silber sagen kann, ist wenig und klingt gezwungen. Stünden wir in der psychoanalytischen Praxis vor solcher Rede, so würden wir hinter der unbefriedigenden Begründung geheimgehaltene Motive wittern. _Shakespeare_ hat das Orakel der Kästchenwahl nicht selbst erfunden, er nahm es aus einer Erzählung der »Gesta Romanorum«, in welcher ein Mädchen dieselbe Wahl vornimmt, um den Sohn des Kaisers zu gewinnen[1]. Auch hier ist das dritte Metall, das Blei, das Glückbringende. Es ist nicht schwer zu erraten, daß hier ein altes Motiv vorliegt, welches nach Deutung, Ableitung und Zurückführung verlangt. Eine erste Vermutung, was wohl die Wahl zwischen Gold, Silber und Blei bedeuten möge, findet bald Bestätigung durch eine Äußerung von E. _Stucken_[2], der sich in weitausgreifendem Zusammenhang mit dem nämlichen Stoff beschäftigt. Er sagt: »Wer die drei Freier Porzias sind, erhellt aus dem, was sie wählen: Der Prinz von Marokko wählt den goldenen Kasten: er ist die Sonne; der Prinz von Arragon wählt den silbernen Kasten: er ist der Mond; Bassanio wählt den bleiernen Kasten: er ist der Sternenknabe.« Zur Unterstützung dieser Deutung zitiert er eine Episode aus dem estnischen Volksepos Kalewipoeg, in welcher die drei Freier unverkleidet als Sonnen-, Mond- und Sternenjüngling (»des Polarsterns ältestes Söhnchen«) auftreten und die Braut wiederum dem Dritten zufällt. [1] G. _Brandes_, William Shakespeare, 1896. [2] Ed. _Stucken_, Astralmythen, p. 655, Leipzig 1907. So führte also unser kleines Problem auf einen Astralmythus! Nur schade, daß wir mit dieser Aufklärung nicht zu Ende gekommen sind. Das Fragen setzt sich weiter fort, denn wir glauben nicht mit manchen Mythenforschern, daß die Mythen vom Himmel herabgelesen worden sind, vielmehr urteilen wir mit O. _Rank_[3], daß sie auf den Himmel projiziert wurden, nachdem sie anderswo unter rein menschlichen Bedingungen entstanden waren. Diesem menschlichen Inhalt gilt aber unser Interesse. [3] O. _Rank_, Der Mythus von der Geburt des Helden, p. 8 fg., Wien und Leipzig 1909. Fassen wir unseren Stoff nochmals ins Auge. Im estnischen Epos wie in der Erzählung der Gesta Romanorum handelt es sich um die Wahl eines Mädchens zwischen drei Freiern, in der Szene des »Kaufmann von Venedig« anscheinend um das nämliche, aber gleichzeitig tritt an dieser letzten Stelle etwas wie eine Umkehrung des Motivs auf: Ein Mann wählt zwischen drei -- Kästchen. Wenn wir es mit einem Traum zu tun hätten, würden wir sofort daran denken, daß die Kästchen auch Frauen sind, Symbole des Wesentlichen an der Frau und darum der Frau selbst, wie Büchsen, Dosen, Schachteln, Körbe usw. Gestatten wir uns eine solche symbolische Ersetzung auch beim Mythus anzunehmen, so wird die Kästchenszene im »Kaufmann von Venedig« wirklich zur Umkehrung, die wir vermutet haben. Mit einem Ruck, wie er sonst nur im Märchen beschrieben wird, haben wir unserem Thema das astrale Gewand abgestreift und sehen nun, es behandelt ein menschliches Motiv, die _Wahl eines Mannes zwischen drei Frauen_. Dasselbe ist aber der Inhalt einer anderen Szene _Shakespeare_s in einem der erschütterndsten seiner Dramen, keine Brautwahl diesmal, aber doch durch so viel geheime Ähnlichkeiten mit der Kästchenwahl im »Kaufmann« verknüpft. Der alte König Lear beschließt noch bei Lebzeiten sein Reich unter seine drei Töchter zu verteilen, je nach Maßgabe der Liebe, die sie für ihn äußern. Die beiden älteren, _Goneril_ und _Regan_, erschöpften sich in Beteuerungen und Anpreisungen ihrer Liebe, die dritte, _Cordelia_, weigert sich dessen. Er hätte diese unscheinbare, wortlose Liebe der Dritten erkennen und belohnen sollen, aber er verkennt sie, verstößt Cordelia und teilt das Reich unter die beiden anderen, zu seinem und zu aller Unheil....

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So, here's the setup. Freud isn't writing fiction here; he's doing his signature move: psychoanalyzing a classic. He zeros in on the scene in 'The Merchant of Venice' where Portia's suitors must choose between three caskets (gold, silver, and lead) to win her hand. The 'right' choice, the lead casket, seems grim and unattractive. Freud asks: why does this motif of three choices, where the least flashy one is correct, pop up everywhere from fairy tales to myths?

The Story

There isn't a traditional plot. Instead, Freud acts as a literary sleuth. He traces this 'three caskets' idea through other stories, like Shakespeare's 'King Lear' with his three daughters. He argues it's never really about the boxes or the daughters. It's a symbolic stand-in for something much heavier. Freud proposes a startling link: our relationship with the three great, inevitable forces in life. I won't spoil his exact conclusion, but it involves the one thing every human story grapples with.

Why You Should Read It

This is Freud at his most accessible and imaginative. You don't need a psychology degree. It's for anyone who loves stories and wonders why they work. He shows how ancient patterns in tales reveal our shared inner world—our silent fears and wishes. It’s a masterclass in looking beneath the surface. After reading this, you won't watch a movie or read a book the same way. You'll start spotting these deep, hidden patterns everywhere.

Final Verdict

Perfect for curious readers, Shakespeare fans, or anyone who enjoys a good intellectual puzzle. It's a brilliant, bite-sized example of how psychoanalytic theory can illuminate art, making old stories feel thrillingly new. If you think Freud is all about dense case studies, this short essay will be a delightful surprise.



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Sandra Torres
3 months ago

Five stars!

Ashley Young
1 year ago

I started reading out of curiosity and the flow of the text seems very fluid. This story will stay with me.

Melissa Torres
3 months ago

To be perfectly clear, the pacing is just right, keeping you engaged. Truly inspiring.

Joshua Rodriguez
5 months ago

As someone who reads a lot, the depth of research presented here is truly commendable. Truly inspiring.

Ethan Perez
3 months ago

Good quality content.

5
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