Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig: Eine Novelle by Franz Werfel

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By John White Posted on Jan 3, 2026
In Category - Flight Science
Werfel, Franz, 1890-1945 Werfel, Franz, 1890-1945
German
Ever read a crime story where you're not sure who to blame? That's the unsettling genius of Franz Werfel's novella. It's 1912 Vienna, and a young man named Franz is brutally bullied by his domineering father for years. The story asks the impossible question: When Franz finally snaps, is he the guilty murderer, or is his father the guilty victim? This isn't a whodunit—it's a 'why-dunit' that gets under your skin. It’s a short, intense read that makes you rethink guilt, power, and where violence truly begins.
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und ein halbgeleertes Bierglas vor sich, an dem weißen Tisch saß. Ich will von der Erschütterung schweigen, die ich einmal, noch als ganz kleiner Kadettenschüler empfand, als ich an dem offenen Fenster einer Parterrewohnung vorbeiging und dahinter einen älteren Mann am Klavier sah, der aus einem aufgeschlagenen Notenbuch die Arie des Cherubim: „Neue Freuden, neue Schmerzen“ spielte, die sein Sohn, ein wunderschöner, elfjähriger Junge, mit der reinen heiligen Stimme des Kirchensopranisten sang. -- Bitterlicher als damals habe ich nie mehr geweint, denn mein Weg führte aus der Kaserne, wo ich allsonntäglich meinem Vater über die Ergebnisse der Woche Rechenschaft ablegen mußte, in die Kadettenanstalt zurück. Ja, mein Vater rauchte Zigaretten und spielte nicht Klavier. Er rauchte Zigaretten und zwar solche, die ihm meine Mutter, seine verschüchterte, harte Dienerin traurigen Angedenkens, allabendlich bis in die Nacht hinein mit der Maschine stopfte; denn sein Tagesbedarf war groß. Mit nobel zitternden, gelbspitzigen Fingern führte er diese Zigaretten zum Mund, ob er nun in der Bataillonskanzlei saß, über den Exerzierplatz ritt, oder gelangweilt nach der Ursache eines Zornausbruchs sinnend in seinem Zimmer auf und abging. Schon als achtjährigem Buben war es mir klar, daß der kein guter Mensch sein könne, der immerfort solche Rauchstöße durch die Nüstern der Nase blies. Alles an diesem Vater war: Von oben herab! Und Rauch durch die Nüstern stoßen, das taten doch nur die Drachen, die es jetzt nicht mehr gab. Wir waren um diese Zeit in einer der großen Landeshauptstädte mit starker Garnison stationiert. Ich erinnere mich, daß mein Vater anfangs, als Hauptmann, dem Hausregiment zugeteilt gewesen ist. Ich selbst war Zögling der Kadettenanstalt dieser Stadt, also schon als Kind zu schwerer Zuchthausstrafe verurteilt. Doch noch härter war mein Los als das der anderen Offizierssöhne! Wer nicht in einem unerbittlichen Institut aufgewachsen ist, wird sein Lebtag die Bedeutung des Wortes -- Sonntag -- nicht ermessen. Sonntag, das ist der Tag, wo die erdrosselnde Hand der Angst um den Hals sich lockert, Sonntag, das ist ein Erwachen ohne bangen Brechreiz, Sonntag, das ist der Tag ohne Prüfung, Strafe, erbitterten Lehrerschrei, der Tag ohne Schande, ohne zurückgewürgte Tränen, Erniedrigungen, der Tag, da man in einem süßen Glockenmeer erwacht, die Bäume des armseligen Anstaltsgartens sind Bäume und nicht fühllose Gefangenenwächter wie sonst, der Tag, wo jeder mit dem weißen Erlaubnisschein die Wache am Tor passiert, und in die Freiheit und Freude tritt. Ach, selbst der Sonntag konnte mich nicht froh machen, dieser Tag, den die Kameraden in aller Frühe schon mit unterdrückten Jubelschreien begrüßten, wenn sie aufsprangen und ihre Köpfe unter die mager tröpfelnde Waschgelegenheit hielten. Sie durften den ganzen Tag über ausbleiben bis neun Uhr abends, ja, manche sogar bis zehn, bis elf; dann erst zu solch später Stunde warf sich das furchtbare Montagsgespenst mit der Wucht der Versäumnisse und ungelösten Aufgaben über sie. Aber am Morgen entflohen sie zitternd und rot vor Glück dem Kerker, kehrten in ein Heim ein, wo sie, wenn auch spärlich, so doch eine Spur von Liebe und Betreuung empfingen; sie wurden am Nachmittag in eine Konditorei geführt, oder durften mit ihren Eltern auf der Terrasse eines Cafés sitzen, oder in einem Restaurationsgarten in den schneidigen Blech- und Paukendonner der Militärmusik tauchen. Was war mein Sonntag? Um zehn Uhr morgens verließ ich die Kadettenschule mit entsetzlichem Herzklopfen und einer schweren Übelkeit im Magen, ohne daß ich vermocht hätte, den Frühstückskaffee aus der verbeulten Soldaten-Blechschale herunterzutrinken. Denn ich mußte Punkt halb elf in der Bataillonskanzlei vor meinem Vater stehn, der mich mit dienstlich verächtlichem Blicke maß und anfuhr: „Korporal, wie stehn Sie da?“ Das wiederholte sich jedesmal. Meine Knie schlotterten dann, und mit Anspannung aller Kräfte...

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Franz Werfel's Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig (translated as Not the Murderer, the Murdered is Guilty) is a psychological gut punch disguised as a simple story. It was first published in 1920, but its questions feel shockingly modern.

The Story

The plot is straightforward but heavy. We follow Franz, a young cadet in the Austro-Hungarian army, who has lived his entire life under the cruel, tyrannical rule of his father, a retired colonel. This isn't just strict parenting; it's a systematic crushing of a young man's spirit. The story builds the tension of this abuse until Franz reaches his breaking point. In a moment of explosive rebellion, he turns his military training against his oppressor. The act itself is almost secondary. The real story is the lifetime of pressure that caused it.

Why You Should Read It

What hooked me was how Werfel flips the courtroom drama on its head. We know who committed the physical act from the start. The trial happens in the reader's mind. You find yourself wrestling with the title's provocative idea: can a victim of long-term psychological violence bear the moral responsibility for their own death? It's uncomfortable and brilliant. Werfel doesn't give easy answers, but he forces you to see how cycles of authority and humiliation can poison a family.

Final Verdict

This is a perfect pick for anyone who loves stories that explore the messy gray areas of human psychology. If you're interested in early 20th-century literature, family dramas, or timeless questions about justice, this compact novella will give you plenty to think about. It's not a light read, but it's a powerful one you can finish in a single sitting, leaving you with a question that lingers long after the last page.



⚖️ Copyright Free

This text is dedicated to the public domain. Knowledge should be free and accessible.

Anthony Torres
1 year ago

Amazing book.

Christopher Sanchez
5 months ago

Having read this twice, the content flows smoothly from one chapter to the next. I will read more from this author.

Betty Anderson
6 months ago

I started reading out of curiosity and it manages to explain difficult concepts in plain English. This story will stay with me.

Donald Garcia
4 months ago

I started reading out of curiosity and it provides a comprehensive overview perfect for everyone. One of the best books I've read this year.

Donald Hernandez
1 year ago

Enjoyed every page.

5
5 out of 5 (6 User reviews )

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